Buddhistischer Beitrag zum Ökumenischen Gottesdienst der SWW am 18. Oktober 2003

Überall in den Gebieten, die vom tibetischen Buddhismus beeinflusst sind, stößt man auf bunte Gebetsfahnen. Der Einsatz von Gebetsfahnen zur religiösen Praxis erscheint uns Westlern eher fremd oder schlicht folkloristisch. Sie sind für die dort lebenden Menschen aber sehr wichtig. Allein durch das Betrachten von Gebetsfahnen wird man daran erinnert, in der buddhistischen Praxis voranzuschreiten. So flattern sie an Tempeln, heiligen Höhlen, an Brücken, Gebirgspässen, an heiligen Quellen, auf Dächern von Häusern - überall, wo sie vom Wind bewegt werden.

Auf den Gebetsfahnen sind Gebete und Abbildungen (heilige Zeichen und Symbole) abgedruckt, die dem gesamten Universum und allem Leben Schutz und Segen bringen sollen. Über die Bedeutung dieser heiligen Zeichen möchte ich Ihnen nun kurz etwas sagen.

Gebetsfahnen heißen auf Tibetisch meistens Lungata, was "Windpferd" bedeutet.

Das Symbol des Windpferdes kommt sehr häufig auf den Gebetsfahnen vor und steht für das schnelle Erreichen von Glück, Reichtum und Wohlergehen. Auf dem Rücken trägt es das so genannte "Wunscherfüllte Juwel", welches das Element Raum/Äther repräsentiert. Der alles durchdringende Raum enthält sämtliche Möglichkeiten zur Transformation und Veränderung. So können Hindernisse, Probleme usw. in Glück und Frieden umgewandelt werden.

Um das Windpferd verteilt, befinden sich Abbildungen von Unglück abwehrenden und Hindernissen beseitigenden Symboltieren: Diese Tiere erscheinen entweder im Bild oder als Wort geschrieben:

Diese bunten flatternden Gebetsfahnen weisen immer die gleichen Farben auf, die natürlich auch ihre Bedeutung haben. So repräsentiert

Den Gebetsfahnen spricht man einen sehr starken heilsamen Einfluss auf Umwelt, Menschen, Tiere und Pflanzen zu. Aber man erwartet von ihnen auch die Lösung zwischenmenschlicher Probleme und Disharmonien und deren Wandlung ins Positive.

Gebetsfahnen sind beliebte Geschenke zu Hochzeiten und Geburten. Sie werden aber auch als Zeichen treuer Freundschaft verschenkt.

Sie werden immer draußen im Freien aufgehängt. Durch das Einwirken von Sonne, Wind und Regen lösen sich die Gebetsfahnen im Lauf der Zeit in ihre Bestandteile auf. Dies ist auch erwünscht, weil so der Segen in die fünf Elemente gelangen kann.

Ich habe Gebetsfahnen vom Himalaya, dem "Sitz der Götter", mitgebracht. Zehn Fahnen möchte ich den SWW als Zeichen meiner Verbundenheit schenken, und verbinde damit die Hoffnung, dass positive Energien dieses Haus durchdringen. Dazu zitiere ich ein Wunschgebet aus dem Sutra der Herzensgüte, dem Metta Sutra).

"Darin besteht das Tun jener Klugen und Friedlichen,
die nach dem Vollkommenen streben:

Mögen sie tüchtig und aufrichtig, offen und höflich und nicht stolz sein.

Mögen sie zufrieden und bescheiden unbeschwert und gelassen sein.

Mögen sie weise sein und weder arrogant noch neidisch auf den Besitz anderer.

Mögen sie nichts Gemeines tun oder etwas, das der Weise missbilligt.

Mögen alle Wesen glücklich sein. Mögen sie in Sicherheit und Freude leben.

Mögen alle Lebewesen, ob schwach oder stark, groß, mittelgroß, untersetzt oder klein, sichtbar oder unsichtbar, nah oder fern, geboren oder ungeboren, mögen sie alle glücklich sein.

Möge niemand andere betrügen oder irgendein Wesen verachten, ganz gleich, wie es geartet ist, möge niemand im Zorn oder aus Hass anderen Unheil wünschen.

Wie eine Mutter ihr einziges Kind behütet und zu seinem Schutz bereit ist, ihr eigenes Leben zu opfern, so sollte man allen Lebewesen von ganzem Herzen zugetan sein, indem man seine uneingeschränkte Liebe und Güte in die Welt verströmt.

Im Gehen und Stehen, im Sitzen und Liegen sollte man sich den ganzen Tag über in dieser Lebensweise üben, und auf diese Lebensweise bauen, die die beste der Welt ist."


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