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11. Mai 2006

Christian Morgenstern: Galgenlieder

Galgenpoesie und Sprachgroteske

Christian Morgenstern - zum Vergrößern klicken Die ersten Galgenlieder dichtete Christian Morgenstern, 1871 in München geboren, 1895 für den Bund der Galgenbrüder. Dieser Name entstand spontan auf einem Ausflug zu einem Galgenberg in der Nähe von Potsdam.

Aufführungen in Ernst von Wolzogens Berliner Kabarett überbrettl hatten so großen Erfolg, dass sich der Autor 1905 zu einer Veröffentlichung entschloss. In die Sammlung Alle Galgenlieder (1932) nahm seine Frau Margaretha nach dem Tod des Dichters (1914) noch weitere Gedichte auf, u. a. die mit dem außerordentlich kreativen Erfinder Palmström (1910).

Morgensterns Verse sind geniale Gedankenspielereien mit Worten und Redewendungen, die durch konsequentes Wörtlichnehmen eine überraschende Pointe erfahren. Dieses Verfahren verhilft dem Geschenkpatron St. Expeditus zu seinem Namen und dem Werwolf ("Wemwolf") wird der Wunsch nach Deklination erfüllt.

Pure Existenz und Verhaltensweise seiner Protagonisten verdanken sich häufig rein sprachlichen Mitteln: Allliteration erweckt den Raben Ralf zum Leben und für den Besuch eines böhmischen Dorfs wählt Palmström "um des Reimes willen" einen Herrn von Korf. Probleme der Existenz löst der Zwölf-Elf durch seinen neuen Namen Dreiundzwanzig und Palmström überlebt einen Verkehrsunfall, den er aufgrund des "messerscharfen" Schlusses, "dass nicht sein kann, was nicht sein darf", lediglich als Traum akzeptiert.

Eine Lampe, die den Tag in Nacht verwandelt, ein Lattenzaun mit gestohlenem Zwischenraum und das von Zoologen scherzhaft der Gattung Rhinogradentia zugewiesene Nasobem sind typische Vertreter des Morgensternschen Kosmos.


Die Künstlerinnen

Beate Himmelstoß (re) / Doris Seiter (li) - Hier zum Vergrößern klicken

Beate Himmelstoß hat das Philosophieren bei Eberhard Simons, das Singen bei Max Frey und Uli Hermann und das Spielen und Rezitieren bei Jürgen Goslar und Lore Büttner gelernt. Sie arbeitet seit 1986 als Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk. Für diesen Abend hat sie das Programm zusammengestellt und zudem die Liedvertonungen beigesteuert.

Doris Seitner hat in München und Wien Musik studiert, spielt in diversen Ensembles alte und neue Musik und macht seit vielen Jahren in München Theatermusik und Musiktheater. Unsere Besucher haben sie im vergangenen Jahr beim "Kriminaltango" erlebt. Von ihr stammen die musikalischen Arrangements des Abends.

Evelin Althaus hat nach dem Diplom am Rumänischen Staatspuppentheater in Köln und München Theaterwissenschaft studiert. Neben ihrer Tätigkeit als Theater-Dozentin in München entwickelte sie mit den von ihr gegründeten Ensembles Creme Frech und Theater Trampelmuse Stücke für Figurentheater. An diesem Abend führt sie Regie.




"Des Weltalls dunkler Raum"

Das Mondschaf • Der Droschkengaul* • Wie die Galgenlieder entstanden • Bundeslied der Galgenbrüder • Nein! • Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid • Das Geburtslied oder: Die Zeichen oder: Sophie und kein Ende • Der Rabe Ralf • Des Galgenbruders Gebet und Erhörung • Gruselett • Der Zwölf-Elf* • Das große Lalula • Galgenbruders Frühlingslied • Der Hecht • St. Expeditus • Der Traum der Magd • Nachtbild • Vice versa

– – – Pause – – –

Die Mitternachtsmaus • Korf und Palmström wetteifern in Notturnos • Der eingebundene Korf • Venus-Palmström-Anadyomene • Die Windsbraut • Die weggeworfene Flinte • Die Behörde • Lärmschutz • Das Butterbrotpapier • Igel und Agel • Die Liebe • Lieb ohne Wort • Das Wörtlein • Das Fest des Wüstlings • Geiß und Schleiche

* Vertonung: Will Elfes


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Flyer im PDF-Format

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