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12. September 2007

Felix und die Sonne von Weimar



Der alte Mann und der junge Musiker

Das Universalgenie Goethe war auch ein passabler Pianist und Cellist und konnte sogar vom Blatt singen. Seine Versuche einer tabellarischen Tonlehre sind leider Fragment geblieben. Goethe bewunderte schon früh Johann Sebastian Bach, der damals noch als Geheimtipp galt. Dies verband ihn mit dem neun Jahre jüngeren Carl Friedrich Zelter, der in Berlin die Singakademie leitete. Die beiden lernten sich 1802 in Weimar kennen, und in der Folge entwickelte sich eine lebenslange, herzliche Freundschaft, von der ein umfangreicher Briefwechsel Zeugnis ablegt.

Seit 1819 war Zelter Lehrer der Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn. Deren Großvater war Moses Mendelssohn, der bedeutende Philosoph der Aufklärung. Die Mutter Lea entstammte einer Familie mit begabten Pianistinnen und erteilte ihren Kindern bereits Klavierunterricht.

Die erste Frucht des Kompositions- und Tonsatzunterrichts bei Zelter sind zwei gemeinschaftliche Liedvertonungen für den Geburtstag des Vaters. Dieser wendet sich jedoch deutlich gegen die gewünschte Karriere seiner Tochter: Die Musik wird für ihn (Felix) vielleicht Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbass Deines Seins und Tuns werden kann und soll.

Es erstaunt daher nicht, dass auf die Reise Zelters nach Weimar 1821 allein der zwölfjährige Knabe mitgenommen wird. Goethe ist von Anfang an fasziniert von dem immerhin sechzig Jahre jüngeren angehenden Musiker, den er, ganz gegen seine Gewohnheit, gern als Gast im Haus hat. Auch Felix berichtet begeistert von der ersten Begegnung: Jeden Morgen erhalte ich vom Autor des „Faust“ und des „Werther“ einen Kuss, und jeden Nachmittag vom Vater und Freund Goethe zwei Küsse. Bedenkt! Felix bleibt sechzehn Tage.

Ein zweiter Besuch findet im Mai 1825 auf der Rückreise von Paris statt, Felix widmet Goethe sein drittes Klavierquartett in h-moll op. 3. – Auch die Italien-Reise 1830 unterbricht Felix für einen zweiwöchigen Aufenthalt bei Goethe. 1827 hatte er die Ouvertüre zu Shakespeares Sommernachtstraum komponiert und die erste Wiederaufführung der Matthäuspassion nach dem Tode Bachs hatte ihn 1829 über Nacht berühmt gemacht. Goethe widmete ihm einen Bogen des Faust-Manuskripts: Dem lieben jungen Freunde Felix Mendelssohn-Bartholdy, kräftig zartem Beherrscher des Pianos, zur freundlichen Erinnerung froher Maitage 1830.

Roland Astor

Der gebürtige Salzburger lebt seit über dreißig Jahren in München und hatte seither als Schauspieler zahlreiche Bühnenauftritte. In vielen Fernseh- und Filmproduktionen spielte er Hauptrollen, u. a. in vierzig Folgen der Serie Marienhof. Als Sprecher wirkte er in Hörspielen mit und übernahm Synchronrollen. In den letzten Jahren entstanden sechs CD-Hörbuchproduktionen, von denen die Aufnahme von Büchners Lenz als Hörbuch des Monats ausgezeichnet wurde. Ein weiterer Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit sind literarische Programme (z. B. bei uns im April 2004 mit Claus Obalski Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus). Seine Komponistenportraits umfassen immer auch musikalische Hörproben, an diesem Abend von Thomas Renner, dem Kirchenmusiker der Giesinger Heilig-Kreuz-Pfarrei, dargeboten.




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