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25. April 2007
„suche unsterbliche seele“
Ein Ernst-Jandl-Abend
Ein Gespräch mit Gesche Piening
Ernst Jandl ist, wie Karl Valentin, als genialer Interpret seines Werks in Erinnerung geblieben. Bleibt da noch genug (Spiel-)Raum für Sie? – Wir haben für diesen Abend späte, noch weitgehend unbekannte Texte herausgesucht. Sie vermitteln Stimmungen und alltägliche Vorgänge in Bezug auf die sie begleitenden inneren und äußeren Umstände sowie die Diskrepanz zwischen der Wichtigkeit des eigenen persönlichen Lebens und dem relativ unscheinbaren Dasein des Einzelnen in der Masse – für uns als Interpreten eine reizvolle Aufgabe.
Jandl hatte selbst ein intensives Verhältnis zur Musik und trat gemeinsam mit Musikern auf. Da wandeln Sie also auf seinen Spuren ...
– Ja, seine Gedichte fordern geradezu, dass sie nicht nur laut gesprochen, sondern auch musikalisch verarbeitet werden.
Unser Lyrikabend verbindet die Sprache Jandls mit Klangassoziationen auf dem Kontrabass. Der ist wuchtig, schlicht und zart zugleich und trotz seiner groben äußeren Erscheinung in der Lage, feine, differenzierte Klangaussagen zu treffen. Das erinnert an die textliche Verarbeitung von Emotionen bei Jandl.
Was tragen die Klang- und Rauminstallationen zur Vermittlung bei?
– Unsere Arrangements bringen archaische Klänge hervor, die dem uns vertrauten Wohlklang durchaus Schwierigkeiten bereiten – ein Ansatz, mit dem auch Jandl selbst arbeitete. Es werden Klänge erzeugt, die gewisse Dissonanzen aufweisen, in denen sich die Ruhelosigkeiten und Zerrissenheiten, die vielen Texten Jandls zugrunde liegen, spiegeln.
Wie kommt das bei Jandl wichtige optische Element zum Zuge?
– Dafür hat mein Vater neben der Titelkurbel zum Ankündigen der Gedichte eine zusätzliche Textwalze gebaut, auf der die grafische Gestalt der Texte dem Publikum sichtbar gemacht wird. Durch die Kombination von Sprache, Musik und Installationen entstehen auf diese Weise geheimnisvolle „Geräusch-Bücher“.
Ernst Jandl (1925 –2000)
Jandls Mutter beginnt nach schwerer Erkrankung mit dem Schreiben und zu gleicher Zeit formt auch der Sohn erste Gedichte. “Mutters früher Tod hat mich zum zweiten Mal geboren.“ Als Künstler fühlt er sich ihr besonders nahe. Krieg bedeutet für ihn die Herausforderung, physisch zu überleben, und erzeugt bei ihm eine Radikalität, die seine literarischen Arbeiten insgesamt auszeichnet. Nach Literaturstudium 1950 Promotion, Gymnasiallehrer (bis 1979), Ehe mit einer Kollegin. Der Wunsch, mit einer Dichterin zusammenleben zu wollen, begründet 1954 die spätere Lebenspartnerschaft mit Friederike Mayröcker. Jandls Sprachexperimente zerlegen Worte bei konsequenter Kleinschreibung unter dem Einfluss der Konkreten Poesie in Silben, Buchstaben und Laute, tauschen einzelne Konsonanten aus („manche meinen / lechs und rinks / kann man nicht / velwechsern. / werch ein illtum.“) oder verwenden nur einen einzigen Vokal („ottos mops“). Einige Gedichte gewinnen durch das grafische Erscheinungsbild eine zusätzliche Aussage. Jandls eigene Rezitationen belegen die untergründige Verbindung seiner Verse zur Musik und verschaffen ihnen eine hohe Popularität.
Mitwirkende
Gesche Piening, geboren 1978 in Hamburg, Studium in München an der Otto-Falckenberg-Schule. Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen, eigene freie Produktionen, Dozentin für Künstlerische Sprecherziehung.
Peter Bockius, geboren 1941 in Freiburg, studierte nach Pädagogik und Psychologie Klassischen Kontrabass. Auftritte in süddeutscher und Schweizer Jazzszene, Lehrtätigkeit als Jazzbassist.
Peter F. Piening, geboren 1942 in Breklum, Studium am Hochschulinstitut für Kunst- und Werkerziehung in Mainz. Bislang über 50 Einzelausstellungen, Arbeiten im öffentlichen Raum.
Flyer im PDF-Format
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Fotos: Thomas Schwarz Rainer Köfferlein (6)
| Fotos vom Ernst-Jandl-Abend |
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