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am Samstag, 17. Okt., 11.30 Uhr
Bindung mit Binde
Wilfried Blecher
Ausstellungseröffnung
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mit Irmgard Badura
Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung
für die Belange der Menschen mit Behinderung |
Bindung mit Binde
Wilfried Blecher wurde an einer Münchner Universitätsklinik am grauen Star operiert. Der Eingriff misslingt und von einem Tag zum anderen ist der Patient fast erblindet. Aus dem gesunden, lebensfrohen und erfolgreichen Maler wird ein behinderter Mensch. Für den Künstler, der die physischen Voraussetzungen für sein bildnerisches Schaffen bedroht sah, hatte dies seelische Konsequenzen: u. a. monatelange Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken. Um diese schwere Zeit zu überstehen, beginnt der Künstler trotz seiner Sehbehinderung wieder zu zeichnen. Es sind Skizzen zu Erlebnissen eines verzweifelten Menschen. Nach und nach entdeckt er sich neu. Viele Zeichnungen haben trotz aller Tragik solchen Witz, dass man beim Betrachten lachen muss. Blecher lernt auf diese Weise, mit seiner Behinderung umzugehen. Es entsteht eine Form der Aufarbeitung, die wahrscheinlich einmalig
ist: jeden Tag arbeitet er nur zwei bis drei Stunden, denn dann lässt die Sehfähigkeit wieder nach. So gesundet seine Seele von Woche zu Woche, aber die Sehbehinderung bleibt.
Diese Skizzen, die ein anschauliches Bild von der Situation eines Sehbehinderten vermitteln, können einer Gesellschaft zu denken geben, die mit Behinderung und Krankheit nichts zu tun haben will. Der Künstler hat dies am eigenen Leibe erfahren und zeichnet, überdeutlich und dennoch nicht destruktiv, ein aufrüttelndes Werk für Betroffene und Nichtbetroffene, das Mut macht.
Spielfiguren
Die besondere Lebenssituation des bildenden Künstlers Wilfried Blecher spiegelt sich auch in den „Spielfiguren“ wider, die er für unsere Werkstätten entworfen hat und nun erstmals auf dem Herbstfest präsentiert.
Seine bunten Engels- und Teufelsfiguren sind jedermann aus der Volkskatechese bekannt, wo sie auf die Alternative „Himmel“ oder „Hölle“ verweisen. Sie thematisieren generell das Böse und das Gute. Sensibilisiert durch die erlittene Sehbehinderung, wurde Blecher auf unsere Einrichtung aufmerksam, in der blinde und sehbehinderte junge Menschen leben und arbeiten. Zusätzliche Behinderungen erlauben ihnen nicht, ein Leben ohne ständige Hilfe zu führen. So entwickelte der Künstler für seine Figuren ein Konzept, das deren Produktion mit für unsere Mitarbeiter angepassten Maschinen erlaubt.
Wilfried Blecher
Am 8. Mai 1930 in Duisburg geboren, lebt in München. Seit 1953 als freischaffender Grafiker tätig. Arbeitete für zahlreiche in- und ausländische Verlage, für Industrie, Architekturbüros, Theater und Fernsehanstalten. Lehraufträge an Fachhochschulen und Kunstakademien. Seine Werke wurden in Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt und befinden sich in zahlreichen in- und ausländischen Sammlungen und Museen. Blecher erhielt viele Preise, darunter zwei Mal den „Deutschen Jugendbuchpreis für das schönste Bilderbuch des Jahres“. Vor einigen Jahren gründete er zusammen mit der Autorin Cordula Zickgraf das „Licht- und Schattentheater München“. – Die Ausstellung „Bindung mit Binde“ entstand in Zusammenhang mit dem noch in diesem Jahr unter gleichem Titel erscheinenden Buch, das auch zahlreiche Texte enthält.
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