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18. November 2009, 19.30 Uhr

Boarischer Hoagascht


Felix Hoerburger

Das Interesse des 1916 in München geborenen Musikethnologen, Kom­po­nisten und Sprachakrobaten galt gleichermaßen heimatlichen und fremden Kulturen. Aus seiner Sammlung handschriftlicher Notenbücher mit bayerischen Blas- und Tanzmusiken entstand 1956 das Standardwerk über die takt­wech­selnden Tänze der „Zwiefachen“. Über seinen Lehrer Kurt Huber lernte er Kiem Pauli kennen und dessen Editionen des bayerischen Volkslieds. Die Pro­mo­tion befasste sich mit Musik aus dem ostafrikanischen Ungoni, die Habilitation mit den Tänzen der Albaner. Der Ertrag zahlreicher weiterer Reisen nach Südosteuropa und Asien waren Werke zur Musikethnologie Nepals und Afghanistans. Bereits seit der Gymnasialzeit entstanden erste Kompositionen für Klavier und Streicher, darunter 1939 die zweite Sonate für Violine und Klavier, die, so urteilte anlässlich einer Aufführung 1976 ein Kritiker, „dieser musikalisch nachjugendbewegten Zeit und ihrem Großpaladin Hindemith alle Ehre gemacht hätte, ja, was den bayerischen Humor in diesem kurzweiligen Stück ausmacht, übertrifft sie diesen.“ Insgesamt sind von Hoerburger 67 Kompositionen erhalten.

Felix Hoerburger
Herzlichen Dank für das
Portrait an Anne und
Dietrich Hoerburger!

Der dritte Bereich des wissenschaftlich-künstlerischen Wer­kes fällt zwar in die letzte Schaffensperiode, kündigt sich jedoch früh in Liederzyklen Hoerburgers mit Versen von Christian Morgenstern an, darunter „Korf und Palm­ström wetteifern in Notturnos“. Der Komponist und der erfahrene Musikethnologe scheinen später lediglich das künstlerische Medium gewechselt zu haben.

Dieses literarische Oeuvre des „Felix Castellanus, mu­si­cus poeticus“ ist gleichfalls der Avantgarde verpflichtet, in diesem Fall Männern wie Karl Valentin und Carl Orff (seinem Lehrer), aber auch Kurt Schwitters, Ernst Jandl, Eugen Gomringer. Mit dem „schnubiglbaierischen poe­ti­cum“ (1975) erfand er eine neue „Mund Art“ aus „schwieferln“ und „glaazln“, letztere sind Wörter, „die wo es gar nicht gibt, die wo aber so tun, als ob es sie geben tat.“ 1977 folgten „neueste nachrichten aus der schnubiglputanischen provinz“ (die Neuausgabe im Allitera Verlag 2008 kann bei uns erworben werden) sowie u. a. ein Expeditionsbericht von „jenseits der paflakubischlbanischen Grenze, quo loco sunt leones“. Der noch wesentlich längere barocke Titel verspricht also wunderbare Abenteuer auf einer terra incognita, wo alte Kartografen stets wilde Tiere oder Drachen vermuteten. Es liegt auf der Hand, dass erst ein lebendiger Vortrag den eigentümlichen Klangcharakter der Hoerburgerschen Verse richtig zur Geltung bringen kann, nach den Worten des Autors:


„a jédes schtückl ghört áufgsagt
und schlawúzl schlingl schlangl
schlick schlack verschtehst
a jédes schtückl ghört ghört
ghört schlawúzl klingl klangl ghört
verschtehst mi ötzat“

Beate Himmelstoß und das Gitarrentrio mit René Senn, Doris Leibold und Willi Kirner versprechen eine sprachmusikalische Gaudi mit den ver­klingel­klan­gel­ten Sprachschöpfungen Hoerburgers, der 1997 starb.



Mitwirkende

René Senn musiziert mit Doris Leibold und Willi Kirner im Gitarrentrio. Sie spielen an diesem Abend traditionelle, alpenländische Volksmusik und „Eigenes“.

Beate Himmelstoß, Willi Kirner und René Senn
          Beate Himmelstoß, Willi Kirner und René Senn, SWW-Hoagascht 2006

Beate Himmelstoß, geboren 1957 in Starnberg und von Kindheit an mit der bairischen Sprache vertraut. Das Spielen und Rezitieren hat sie bei Jürgen Goslar und Lore Büttner gelernt. Seit 1986 Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk, mehrfach Gast in unserem Hause.



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Fotos vom Hoagascht

Fotos: Rainer Köfferlein und Thomas Schwarz

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