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29. April 2009, 19.30 Uhr
Theater-Abend
„wozu wir taugen“
Sieben Figuren von Robert Walser
Robert Walser (1878 – 1956)
Der Schweizer Schriftsteller entstammt einer kinderreichen Familie, deren Mutter früh starb. Aufgewachsen in Biel an der französischen Sprachgrenze. Diente als Comis bei Banken und Versicherungen und als Gehülfe
eines Ingenieurs. 1899 erste Gedichte und Prosastücke (Fritz Kochers Aufsätze, Insel Verlag). 1906 verschafft ihm sein Bruder Karl Zugang zum Berliner Künstlermilieu. Hier entstehen u. a. die Romane Geschwister Tanner und Jakob von Gunten. Er findet die Anerkennung von Robert Musil, Kurt Tucholsky, Hermann Hesse und Franz Kafka.
1913 Rückkehr in die Schweiz, Besuche bei Geschwistern, die in Heilanstalten arbeiten oder leben. Walser wohnt in wechselnden möblierten Zimmern, wird passionierter Wanderer. Nach 1929 ständiger Aufenthalt in Heilanstalten, hier entstehen die Mikrogramme, Manuskripte in winziger Schrift. Carl Seelig wird sein Vormund. Tod 1956 bei einer Wanderung durch ein Schneefeld.
wozu wir taugen
Text: Gesche Piening; Fotos: Peter Punkhaus
Walsers Figuren sind rätselhafte, tiefgründige Gestalten, die sich im ersten Augenblick offenbaren, um sich im nächsten Augenblick wieder zu entziehen und zu verbergen. Sie führen wissentlich auf falsche Fährten, sie erzählen Geschichten, deren Motive nie ganz eindeutig werden, und lassen Sehnsucht und Spott in unmittelbare Nähe zueinander rücken. Sie geben sich ironisch distanziert, untergründig melancholisch, humorig aggressiv und umständlich heiter. Sie sind voll passiven Widerstands, gedankenloser Tiefe und bissiger Zahmheit. Sie bewegen sich stets trotzig zwischen solider ordentlicher „Weltstellung“, der sie sich keck unterwerfen, und nomadenhafter Unabhängigkeit, die sehnsuchtsvoll alle Angst verschweigt und instinktiv alles Hohe mit Rang und Namen ablehnt.
Im Laufe des Abends begegnen uns 7 dieser Figuren von Robert Walser, die uns fern von plattem Exhibitionismus an ihren melancholisch komischen Gedanken und Geschichten teilhaben lassen und sich dabei zwischen Entzücken und Wehmut, Euphorie und Niedergeschlagenheit, poetischer Imagination und ironischer Durchtriebenheit bewegen. Die Inszenierung von Peter Punkhaus und Gesche Piening folgt, ohne zu erklären oder zu urteilen, den verästelten Erzählungen der Figuren und ihren ausschweifenden Phantasien. Im von Peter Eff gestalteten Raum verwandelt sich die Schauspielerin Piening vom altklugen Schulkind zum renitenten Büromenschen, von der gewissenhaften Neurotikerin zur viel versprechenden Verführerin. – Musikalisch begleitet wird das Geschehen auf der Bühne von Gertrud Wittkowsky an der Zither.
Die Künstler
Gesche Piening absolvierte 2002 die Otto-Falckenberg-Schule in München und realisiert seither als Schauspielerin und Regisseurin eigene Theaterproduktionen, musikalische Lesungen und Performances. Zuletzt tourte sie mit dem Programm „suche unsterbliche seele“ Ein Ernst Jandl-Abend durch den deutschsprachigen Raum, ist Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk und arbeitet seit 2004 als Dozentin für Künstlerische Sprecherziehung und Rollenstudium am TheaterRaum München.
Gertrud Wittkowsky studierte
am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium Zither bei Georg Glasl und Elementare Musikpädagogik bei Eva-Ruth Kahmann. 1996 erlangte sie die Konzertreife im Fach Zither und erhielt das Julius F. Neumüller-Stipendium der Stadt Regensburg. Sie tritt im In- und Ausland sowohl solistisch auf als auch im Duo mit dem Countertenor Franz Vitzthum und ist gefragte Dozentin auf zahlreichen Zitherworkshops. Ihr Repertoire umfasst Werke aus Renaissance, Barock und Moderne.
Peter Eff ist Bildender Künstler und studierte am Hochschulinstitut für Kunst- und Werkerziehung in Mainz. Seit 1968 waren seine Arbeiten in über fünfzig Einzelausstellungen und vielen Ausstellungsbeteiligungen, zu denen zahlreiche Kataloge erschienen sind, im In- und Ausland zu sehen.
Peter Punkhaus studierte Neuere Deutsche Literatur, Soziologie und Politische Wissenschaft in München und Paris. Derzeit arbeitet er an seiner Dissertation zum Thema Literatur und Authentizität. Seit 2004 ist er an sämtlichen Produktionen von Gesche Piening als dramaturgischer und konzeptioneller Berater tätig.
Fotos vom Theaterabend
Fotos: Thomas Schwarz

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