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22. Februar 2012, 19.30 Uhr
FRANZ LISZT UND ITALIEN
Franz Liszt (1811-1886), Weiberheld
sagte von sich, er sei „zur einen Hälfte Zigeuner, zur anderen Franziskaner“. Gern ließ er sich in ungarischer Nationaltracht darstellen (sein Vater stand in Diensten des Fürsten Esterházy) und pflegte, zeitlebens von tiefer Religiosität geprägt und nach Empfang der niederen Weihen, sein düsteres Erscheinungsbild als Weltgeistlicher („Abbé“). Der Klaviervirtuose war aber, durchaus vergleichbar mit heutigen Musikgrößen, auch ein von Frauen umschwärmter Superstar, was von Heinrich Heine als „Lisztomanie“ verspottet wurde.
Zweimal gelang es ihm, adeligen Ehemännern die Frau auszuspannen und zu seinen langjährigen Geliebten zu machen. 1833 lernte er in Paris die sechs Jahre ältere Marie d’Agoult (Rückenfigur unten und Porträt links) kennen und übersiedelte, nachdem sie von ihm schwanger geworden war, mit ihr nach Genf. Zehn Jahre später trennte sich das Paar. Das mittlere der drei gemeinsamen Kinder war die am Comersee geborene Cosima, die später den von ihm geförderten Richard Wagner heiratete. Liszt taugte aber weder zum fürsorglichen Vater noch zum treuen Ehemann.
Dies musste auch Carolyne zu Sayn-Wittgenstein erfahren. Die von ihrem Mann getrennt lebende Fürstin traf er 1847 auf einer Konzertreise in Kiew; sie folgte ihm nach Weimar, wo Liszt 1842 Kapellmeister geworden war. 1861 verweigerte Caroline die geplante Heirat in Rom, für deren Erlaubnis mit den päpstlichen Behörden gerungen worden war.
Paolo Tatafiore spielt u. a. Sposalizio (Vermählung Mariens von Raffael), aus dem 2. und 3. Teil der Pèlerinages: Sonette von Petrarca, Zypressen und Wasserspiele der Villa d’Este, Venedig und Neapel. Jürgen Wegscheider rezitiert dazu Textzeugnisse von Liszt, Marie d’Agoult und deren Wegbegleitern. Antonio Macrì ergänzt die Thematik durch passende stimmungsvolle Bilder auf der Leinwand.
Die Künstler
Paolo Tatafiore,
in Neapel geboren, entstammt einer Künstlerfamilie. Studierte Klavier, Orgel und Komposition, Meisterkurse bei Carlo Bruno und Maria Tipo. Solist und Klavierpädagoge in Neapel, New York, Ohio und München, wo er seit 2009 lebt. Tourneen mit Schauspielern wie Mario Adorf.
Der 1979 in Kärnten geborene Jürgen Wegscheider besuchte die Schauspielschule Ruth von Zerboni in Grünwald und ließ sich zum Bariton ausbilden. Zusammenarbeit mit Cordula Trantow, derzeit als Teddy Brewster in „Arsen und Spitzenhäubchen“.
Antonio Macrí arbeitet als Regisseur und Fotograf in München, berichtet über seine Heimatstadt Neapel in Bilderschauen, unterrichtet Italienisch und inszenierte 2011 „Charisma, Chaos und Canzoni“.
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