9. August 2007
Italienische Nacht
mit „Piazza Grande“
Über Italiensehnsucht der Deutschen
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In diesem Sommer startet die SWW ihre erste
Italienische Nacht. Welche Attraktionen erwarten
den Besucher? Natürlich südliche Klänge,
authentisch dargeboten von der Gruppe Piazza
Grande, italienische Leckerbissen und hoffentlich
mediterranes Wetter an einem Ort, der zuweilen
als nördlichste Stadt Italiens bezeichnet
wird (obwohl hier die Griechenland-Begeisterung
von Ludwig I. bis Christian I. gut belegt ist). Auf
jeden Fall gibt es bei uns viel italienisches Flair.
Die Tatsache, dass es in Deutschland zwar ein
Französisches Bett, aber keine Französische
Nacht gibt, weist auf die Italiensehnsucht der
Deutschen hin, die in diesem Umfang zwar ein
Nachkriegsphänomen ist, deren Anfänge jedoch
bis zu den Völkerwanderungen (damals noch
nicht auf Autobahnen) reichen. Erinnert sei auch
an die Grand Tour adeliger Kreise in das Land,
wo die Zitronen blüh’n sowie an den Stellenwert
einer solchen Reise für das Werk vieler
Künstler, von denen Goethes Italienische Reise
die berühmteste ist. Für diese Traditionen steht
das Bild vom Nachbau des Vesuvs 1788 bis 94
im Gartenreich des Kleinstaats Anhalt-Dessau.
Nach dem 2. Weltkrieg begannen die (West-)
Deutschen die Welt zu entdecken, und die fing
bereits jenseits des Brenners an. Komm ein bisschen
mit nach Italien, sang Catarina Valente.
Der Urlaub an der Adria wurde als eine Art
Expedition empfunden; entsprechend war die
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Ausrüstung: „Die Familie nahm die Kernvorräte
aus der Speisekammer, sie packte eine gehörige
Portion heimische Lebensart in den VW-Käfer –
und so war dann mit allerlei Hartwürsten und
mit Schweinskopfsülze im Einmachglas das Überleben
in der Fremde gesichert“, erinnert sich
Heribert Prantl. Dazu passt, dass laut Statistik
die Deutschen der Wirtschaftswunderzeit den
Kontakt zu den Einheimischen eher mieden und
amouröse Abenteuer, die in den Schlagern häufig
besungen wurden, die Ausnahme blieben. |
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Dann brachten erste Urlauber mit den bastumwickelten
Weinflaschen und Strohhüten die
Erinnerung an das Dolce far’ niente
mit nach
Hause und die Reisewelle löste eine
allgemeine Italienmode, auch im
gastronomischen Bereich, aus. Später
kamen die ersten Gastarbeiter,
noch ohne ihre Familien. Zwei kleine
Italiener, die träumen von Napoli – damit
gewann Conny Froboess 1962 den deutschen
Schlagerwettbewerb. Allmählich rückte das
Original in den Mittelpunkt des deutschen
Italieninteresses. Das zeigte sich auch daran,
dass nun nicht mehr nur Deutsche Italien besangen
(Wenn bei Capri die rote Sonne im
Meer versinkt...), sondern vermehrt italienische
Künstler deutschsprachige Titel aufnahmen.
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Piazza Grande
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Die im letzten Jahr gegründete Band hat sich
u. a. der Musik des italienischen Südens verschrieben,
wo der Einflussbereich griechischer
und arabischer Strömungen spürbar wird. Hier
entdecken die vier Musiker immer wieder neue Ohrwürmer: Tarantellas, Walzer, Balladen und
Swing. Ein Schwerpunkt des Programms werden
Melodien und Lieder aus Neapel sein.
Außerdem mit dabei: Stücke des Chanson-,
Jazz- und Tangokomponisten Paolo Conte, der
auch Azzurro schrieb. Selbstverständlich dürfen
die Klassiker Volare und Marina nicht fehlen.
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Wolfgang Obrecht |
Heinz Müller |
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Fabiola Schiavulli |
Thomas Korpiun |
Fotonachweis: Rainer Köfferlein (12), Thomas Schwarz (31)
Flyer im PDF-Format
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