22. Juli 2009, 19.30 Uhr
Federmentsh – Lider fun yidishland
Jiddische Lieder
Jiddisch ist die Sprache der sogenannten aschkenasischen Juden, die im Hochmittelalter aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Osteuropa übersiedelten und dort im Shtetl, „Kleinstädten“ mit Dorfcharakter, lebten. Dort entwickelte sich unter dem Einfluss polnischer, russischer und litauischer Lieder und Melodien eine Volksmusiktradition, die besonders seit den späten 1960er-Jahren in den USA, wo viele Juden Zuflucht gefunden hatten, unter dem Namen Klezmer populär geworden ist. Dieser Begriff umfasste ursprünglich nur Instrumentalmusik, bezeichnet inzwischen jedoch generell Musik mit osteuropäisch-jiddischen Wurzeln. In Abgrenzung zu liturgischem Repertoire liegt der Schwerpunkt auf Lebensstationen von der Hochzeit bis zum Tod und der Schilderung von festlichen und Alltagsstimmungen: „yidl mitn fidl, arye mitn baz, dos lebn iz a lidl, lebn iz a shpaz.“ Begleitende Musikinstrumente waren zunächst die einer gewöhnlichen Bauernkapelle: Geige (jidd. fidl), Hackbrett (tsimbl), Bass. Im 18. Jh. kam die Klarinette hinzu, im 20. Jh. verdrängte das Akkordeon das Hackbrett. – Andrea Pancur singt mit Franka Lampe am Akkordeon von Tagträumern, gefallenen Mädchen, Schulschwänzern und flüchtiger Liebe, von traurigen Trennungen und wonnigen Wiedersehen, vom Schnaps, vom Rausch und vom Überleben. Ein breiter Bogen, getragen von der Erkenntnis, dass nur wer sich Regeln widersetzt, Grenzen überschreitet und Wagnisse eingeht, versponnene Träume gelebte Wirklichkeit werden lassen kann.
Federmentsh
„Die Feder schießt schärfer als ein Pfeil.“
Jiddisches Sprichwort
Im Jiddischen bezeichnet dieser Ausdruck den Literaten schlechthin. Zugleich erinnert er an jene innerlich reichen Luftmenschen, die in selbst errichteten Traumschlössern leben und das reale Dasein allzu oft als Nebensächlichkeit empfinden. Es schwingt die Andeutung an den goldenen Pfau mit, jenen jüdischen Wundervogel, der vor Träumern und Liebenden eine seiner Federn fallen lässt. Die goldene Feder beauftragt und inspiriert zugleich für künstlerisches Schaffen.
Mitwirkende
Andrea Pancur, geb. 1969 in München, studierte Anglistik und Geschichte. Gesangsausbildung bei Maria Collien, Renate Glaser, Naomi Isaacs, Ingrid Zacharias. 1994 gründete sie das Klezmersextett Massel-Tov, dem sie bis 2008 angehörte. Von 2003 bis 2008 Sängerin des Weltmusikquartetts Bappa E Zittu. Ab 2000 auch Schauspielerin. Aktuelle Projekte mit dem Kölner Trio A Tickle in the Heart sowie Das Schostakowitsch Projekt mit dem modern klezmer quartet.
Franka Lampe, Jahrgang 69, in Potsdam aufgewachsen. Spielt seit 1989 Akkordeon und wurde 1993 Schülerin von Alan Bern. Neben Shakespeare-Theaterproduktionen Mitglied und Gastmusikerin bei vielen internationalen Klezmergruppen, u. a. la'om, Ot Azoi Klezmerband, TangoToy, Kasbek Klezmer-Ensemble, Sukke, Di Fidl-Kapelye und Brave Old World.
Fotos vom 22. Juli 2009
Fotos: Thomas Schwarz
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