Der Klangbrunnen im Garten der SWW
Der alte Brunnen
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Bis in die 70er-Jahre hieß das Gelände der SWW "Chiemseeplatz".
Der 1956 dort errichtete Brunnen nach einem Entwurf von Prof. E. A. Rauch bildete in seinem großen Wasserbecken diesen See nach und war durch eine dramatische Szene belebt: Eine Meerjungfrau flüchtet
vor einem Raubfisch unter den Schutz eines Fischers, der bereits rettend seine Harpune erhoben hat.
Die Nutzer der benachbarten Mc-Graw-Kaserne hielten den Brunnen nicht instand. Die Figur der
Meerjungfrau wurde beschädigt, der Raubfisch entwendet. Der Fischer verlor den größten Teil
seiner Harpune und begrüßt heute die Besucher am Eingang der SWW.
Eine Rekonstruktion der alten Anlage war weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll.
Die SWW wünschte jedoch seit langem, ihren Sinnesgarten
durch das belebende Element Wasser zu ergänzen
und einen Brunnen zu errichten, der den
speziellen Anforderungen sehgeschädigter Menschen
entspricht. Das Engagement der Besucher
eines Benefizkonzerts der BMW Niederlassung
München ermöglichte dieses ehrgeizige Projekt,
bei dem der Pariser Künstler François Baschet
den Entwurf lieferte und die Ebersberger Kunstschmiede
Bergmeister die Realisation übernahm.
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Der neue Brunnen
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Die am 8. Juli 2004 eröffnete SWW-Brunnenanlage
ist der Mittelpunkt im neu gestalteten
Sinnesgarten (nicht nur) für blinde und sehbehinderte
Menschen. Sitzgelegenheiten rund
um das fünf Meter große Wasserbecken laden
zum Verweilen ein, um zu erfahren, wie die
Klangskulpturen das Element Wasser auf vielfache
Weise in Bewegung halten.
Für dieses beglückende Erlebnis sorgt eine ausgeklügelte
Technik. Sechs auf Federstab montierte
Edelstahl-Trichter füllen sich in unregelmäßigen
Abständen mit Wasser. Mit zunehmender
Füllmenge kippen diese großen Blütenkelche
zur Seite und ergießen sich in stilisierte Schalen.
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Im Jahr 2005 kamen
drei Klangschalen
hinzu, deren Glockenschlag
auf gleiche
Weise ausgelöst wird.
Zwei zusätzliche Wasserzuläufe
verstärken
die akustischen und
taktilen Reize für Sehbehinderte und geben
ihnen eine gute Orientierungsmöglichkeit.
Der Clou der Installation: Die Besucher schaffen
sich ihre eigene Klangkulisse. Dafür stehen drei
Schaltelemente mit fünf Tasten zur Verfügung,
die Druckluft durch Pfeifen zwischen den Blütenkelchen
leiten und weitere Naturtöne erzeugen.
Die Brüder Baschet sahen in den von ihnen entwickelten
Klangskulpturen stets Instrumente
der Selbsterfahrung und zur Durchsetzung
menschlicher Würde. Es ist diese Philosophie
künstlerischer Kreativität, die einen solchen
Klangbrunnen für die SWW so wertvoll macht.
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Der Künstler
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Raumklang ist eines der großen Themen der
Kunst des 20. Jahrhunderts und die Brüder François
und Bernard Baschet haben dazu einen
markanten Beitrag geliefert. Für Erik Satie war
Musik wie das Mobiliar Bestandteil eines Raumes - eben
"Möbelmusik". Das Stück "4'33''"
von John Cage enthält keine einzige Note, sondern
arbeitet mit zufälligen Geräuschen, die
das Publikum erzeugt. In den 50er-Jahren entstanden
die ersten Klang-Skulpturen und zu
deren Pionieren zählen neben Harry Bertoia und
Jean Tinguely die Brüder Baschet.
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Die Baschets experimentierten
mit verschiedenen
Resonanzkörpern und
wählten oft eine Kombination
aus Glas und
Metall - in der Tradition
des von Chladni um 1800
entwickelten Euphons.
(Michel Deneuve spielte
zur Eröffnung auf diesem
von ihm verfeinerten "Cristal"-Instrument).
Harmonischer Klang und künstlerische Form
gehen hier eine reizvolle Verbindung ein und
machten diese avantgardistischen Klangobjekte
zum Mittelpunkt vielbeachteter Ausstellungen.
Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Museumsstücken
wird der Besucher ausdrücklich
zum Berühren, also Musizieren, aufgefordert.
Eine weitere Dimension gewann das Werk der
Brüder durch die Zusammenarbeit mit Filmemachern
wie Cocteau ("Orphée"). Seit den
70er-Jahren erzielen die "Sculptures sonores"
auch spektakuläre Erfolge in der Arbeit mit sozial
schwachen Jugendlichen und Behinderten.
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Die Brunneneröffnungsfeier am 8. Juli 2004

Flyer im PDF-Format
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